Für die meisten Fachgebiete war der Wechsel von TARMED auf TARDOC vor allem eine Umstellung der Positionsnummern. Für die Anästhesie ist er mehr als das. Die Logik, nach der Ihre Leistung berechnet wird, hat sich an mehreren Stellen verschoben.
Wir haben die Punkte zusammengetragen, die im Anästhesiealltag tatsächlich zählen. Von der neuen Kapitelstruktur über die Aufwandklassen bis zu der Frage, was passiert, wenn eine Ambulante Pauschale ausgelöst wird.
Auf einen Blick
Kapitel WA
Anästhesieleistungen im TARDOC, bisher Kapitel 28
IAK I bis IV
Aufwandklassen ersetzen die Risikoklassen
1 Minute
Taktung der Anästhesiezeit statt Fünfminutenschritten
Entweder oder
Pro Behandlung TARDOC oder Pauschale, nie gemischt
Vom Kapitel 28 zum Kapitel WA
Im TARMED lagen die Anästhesieleistungen im Kapitel 28. Im TARDOC finden Sie sie im Kapitel WA. Die Kapitel sind nicht mehr nach Fachgebieten geordnet, sondern nach Themen- und Organbereichen. Jede Position trägt eine achtstellige Nummer, zum Beispiel WA.10.0030.
Die Struktur folgt dem Ablauf einer Anästhesie: Einleitung nach WA.05, Tätigkeit des Anästhesisten während der Anästhesiezeit nach WA.10, Ausleitung und neu die postoperative Betreuung. Diese letzte Position war im TARMED nicht eigenständig abgebildet.
Eine Änderung wird dabei leicht übersehen: Die Leistungsblöcke des TARMED entfallen. Kapitel 28 war ein solcher Block, dessen Positionen nur untereinander kumulierbar waren. Diese Klammer gibt es im TARDOC nicht mehr.
« Der TARDOC hat die Anästhesie nicht umnummeriert. Er hat sie neu gerechnet. »
IAK statt Risikoklassen
Die Anästhesie-Risikoklassen des TARMED heissen im TARDOC Interventions-Aufwandklassen, kurz IAK. Der Namenswechsel ist kein Etikettentausch, sondern ein Wechsel der Bemessungsgrundlage.
Was die IAK misst
Massgebend ist nicht mehr die Schwere des Eingriffs, sondern der zeitliche Aufwand. In die Einteilung fliessen Merkmale ein wie der Anästhesieaufwand, die Art der Lagerung, die Desinfektion, die Abdeckung und das Einrichten der Instrumente. Schwere und Aufwand laufen nicht in jedem Fall parallel. Entsprechend verschieben sich einzelne Eingriffe gegenüber ihrer alten Risikoklasse.

Abb. 1: Anästhesiepositionen in der Pracmedio Abrechnung. Aufwandklasse, Anästhesiezeit und Bezugsleistung auf einen Blick.
Vier Klassen plus MAC, in der Einteilung analog zu den bisherigen Risikoklassen
WA.10.0010 deckt die Monitored Anesthesia Care ab
WA.10.0020 bis WA.10.0050 bilden die Aufwandklassen I bis IV ab
Alle Positionen der Anästhesiezeit sind pro Minute tarifiert
Was das für Ihre Kalkulation heisst
Gehen Sie Ihre häufigsten Eingriffe einzeln durch. Ein Eingriff, der unter TARMED in einer hohen Risikoklasse lag, kann im TARDOC in einer tieferen Aufwandklasse landen, und umgekehrt. Wer sein Portfolio nicht prüft, merkt die Verschiebung erst an der Jahresrechnung.
ⓘ Hinweis für die Praxis
Erfassen Sie die WA.10-Positionen auch dann, wenn der Fall am Ende in eine Pauschale läuft. Die Anästhesieleistungen sind gruppierungsrelevant, und eine höhere Vergütung ist möglich.
Fünf Regeln, die im Alltag zählen
Die meisten dieser Regeln erledigt Ihre Software im Hintergrund, sofern sie den TARDOC vollständig kennt. Kennen sollten Sie sie trotzdem, denn sie entscheiden darüber, ob eine Rechnung durchgeht.
1
Minutentakt: Zeitleistungen werden im TARDOC im Ein-Minuten-Takt tarifiert. Die Anästhesiezeit wird damit exakt abgebildet statt in Fünfminutenschritten gerundet.
2
Bezugspflicht: Bei der Verrechnung der Tätigkeit des Anästhesisten nach WA.10 müssen die Tarifpositionen der zugehörigen Leistung angegeben werden, also der diagnostischen Massnahme, der Intervention, der Operation oder der Geburt. Ausnahmen sind ausdrücklich zu begründen.
3
Mehrfacheingriffe: Im TARMED galt je Eingriff die eigene Risikoklasse. Im TARDOC kommt für die gesamte Anästhesiezeit die höher verrechenbare Aufwandklasse zur Anwendung. Das gilt für Einleitung, Anästhesiezeit, Ausleitung und postoperative Betreuung gleichermassen.
4
Upgrading: Bei Kindern bis sieben Jahren und Patienten über siebzig kann die IAK in begründeten Fällen um eine Klasse erhöht werden. Das Upgrading ist schriftlich festzuhalten und dem Versicherer auf Verlangen mitzuteilen. Bei Kindern bis zwei Jahren gilt mindestens die IAK III.
5
Kumulation: Die sonografiegesteuerte Plexus- und Nervenblockade darf mit der Einleitung nach WA.05 kumuliert werden.
Wenn die Ambulante Pauschale greift
Der Leistungskatalog ambulante Arzttarife, kurz LKAAT, entscheidet, ob ein Fall nach TARDOC oder über eine Ambulante Pauschale abgerechnet wird. Löst eine Triggerposition eine Pauschale aus, sind sämtliche Leistungen damit abgegolten. Ausgenommen sind labile und stabile Blutprodukte sowie Implantate gemäss Katalog, im Jahr 2026 zusätzlich die pathologischen Leistungen. Eine gemischte Abrechnung aus TARDOC und Pauschale ist pro Behandlung nicht zulässig.
Für die Anästhesie heisst das: keine separate Anästhesieposition auf der Rechnung. Damit rückt eine Frage in den Vordergrund, die es unter TARMED so nicht gab, nämlich wie die Pauschale zwischen Operateur und Anästhesie aufgeteilt wird. H+ publiziert dazu die Anteile für ärztliche Leistung und Anästhesie je Pauschale. Diese Anteile sind eine Grundlage, keine Regelung. Die Aufteilung selbst gehört in eine Vereinbarung zwischen den Beteiligten.
« Wo die Pauschale greift, wird aus einer Tariffrage eine Vertragsfrage. »
• Pracmedio kennt Kapitel WA
Anästhesieleistungen korrekt erfasst, gruppiert und abgerechnet
Pracmedio erfasst nach LKAAT, bestimmt die Aufwandklasse aus der Sitzung und gruppiert automatisch in eine Pauschale oder rechnet nach TARDOC ab. Ohne manuelles Mappen und ohne Rückläufer wegen fehlender Bezugspositionen.
Kapitel WA vollständig hinterlegt, inklusive MAC
Aufwandklasse automatisch aus der Sitzung bestimmt
Bezugsleistung wird mitgeführt und geprüft
Upgrading bei Kindern und älteren Patienten dokumentiert
Gruppierung in Ambulante Pauschalen automatisch
Rechnungsstandard 5.0 und Validierung vor dem Versand
Was Sie jetzt prüfen sollten
Wenn die Anästhesieabrechnung seit Januar hakt, liegt es meist an einem dieser fünf Punkte:
Sind Ihre häufigsten Eingriffe der richtigen Interventions-Aufwandklasse zugeordnet, oder wurde die alte Risikoklasse einfach übernommen?
Führt Ihre Software bei jeder WA.10-Position die zugehörige Bezugsleistung mit?
Rechnet Ihr System bei Mehrfacheingriffen wirklich mit der höchsten Aufwandklasse über die gesamte Anästhesiezeit?
Wird das Upgrading bei Kindern und älteren Patienten dokumentiert und nicht nur angewendet?
Erfassen Sie die WA.10-Positionen auch dann, wenn der Fall in eine Pauschale läuft?
Fazit
Für die Anästhesie ist der TARDOC keine Umnummerierung, sondern eine neue Rechenlogik. Aufwand statt Schwere, Minute statt Fünfminutenblock, höchste Klasse statt Klasse je Eingriff. Wer diese drei Verschiebungen sauber im System abgebildet hat, merkt vom Wechsel im Alltag wenig.
Offen bleibt für viele die Aufteilung der Ambulanten Pauschalen zwischen Operateur und Anästhesie. Diese Frage löst keine Software. Aber die Software sollte die Zahlen liefern, mit denen Sie verhandeln. Bei Fragen zur Anästhesieabrechnung erreichen Sie uns per Chat, E-Mail oder telefonisch.




